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Eine Entspannungsreaktion -unabhängig von der Entspannungstechnik- geschieht immer auf zwei Ebenen: auf der psychologischen und der physiologischen Ebene. Kennzeichen physiologischer Entspannungsreaktionen sind:
- Neuromuskuläre Veränderungen
- Kardovaskuläre Veränderungen
- Respiratorische Veränderungen
- Elektrodermale Veränderungen
- Zentralnervöse Veränderungen
- Neuromuskuläre Veränderung
Bezeichnend für eine Entspannung im neuromuskulären Bereich ist die Abnahme des Tonus der Skelettmuskelatur, d.h. das die Arm-, Bein- und Rumpfmuskelatur erschlaffen. Bei den meisten Entspannungsverfahren wird diese Veränderung schon damit erreicht, daß die Verfahren im Liegen stattfinden.
Allerdings zielen Entspannungsverfahren - auch wenn sie im Sitzen stattfinden - auf eine Verringerung im neuromuskulären Bereich ab, dadurch werden die afferenten Signale der Stützmotorik vermindert. Durch das Ausbleiben der Reize auf die Motorik beginnt ein Kreislauf, der die neuromuskuläre Aktivität vermindert. Dadurch, daß das Gehirn weniger afferente Signale verarbeitet muß, sendet es auch weniger efferente Signale zu den jeweiligen Körperteilen zurück. Zur Aufzeichnung und Messung der neuromuskulären Aktivität dient in der Psychophysiologie das Elektromyogramm (EMG). Oberflächenelektroden messen die elektrische Aktivität in den Muskelfasern. Entspannungsverfahren im Liegen auszuführen vermindert also die afferenten Signale und führen somit auch zu einer Verminderung der efferenten Signale.
Für die Durchführung einer Entspannung sollten allerdings auch akustische, optische und takile Reizeinflüsse vermieden werden, die z.B. zu einer Schreckreaktion führen könnten. Schreckreaktion führen zu einer Aktivierung der Signale d.h zu einer Stimulierung des formatio recularis und somit zu einer Erhöhung des Muskeltonus (vgl. Vaitl, 1993, 27ff). Kardovaskuläre Veränderung Zu den kardiovaskulären Veränderungen zählen die periphere Gefäßerweiterung (Vasodalitation), die Senkung des ateriellen Blutdrucks und die Abnahme der Herzrate. Wärmesensationen besonders in den Extremitäten sind ein sicheres Zeichen für einen entspannten Zustand. Diese Wärmempfindung kommt durch einen vermehrten Blutfluß - bedingt durch eine Gefäßerweiterung - in den Gefäßen zustande. Eine Temperaturregulation z.B. in den Fingern laufen über sogenannte shunts. Sie liegen in den Fingerkuppen zwischen dem ateriellen und venösen Gefäßbett. Durch Abkühlung bzw. Erwärmung des Körpers verändern sie sich reflexartig und führen somit zu einer Gefäßerweiterung bzw. Gefäßverengung (Vasokonstriktion). Der Pulsschlag ist ein bevorzugter Indikator für Aktivierungsprozesse. Bei physischer, emotionaler und mentaler Belastung steigt die Herzrate, d.h. die Herzschläge pro Minute nehmen zu. Dementsprechen sinkt die Herzrate bei körperlicher Ruhigstellung und somit stellt die Abnahme der Herzrate kein eindeutiger Indikator für einen Entspannungszustand dar. Einen Zusammenhang zwischen der Senkung des ateriellen Blutducks und Entspannungsverfahren konnten zahlreiche Studien belegen. Sowie bei Personen mit normalem als auch bei Personen mit erhöhtem Blutdruck nahm dieser bei einem gelungenen Entspannungsprozeß ab. Der Blutdruck bezeichnet den im Inneren von Arterien herrschenden Druck. Üblicherweise wird die Höhe des Blutdrucks in mmHg entsprechend der Höhe einer Quecksilbersäule ausgedruckt. Entsprechend der Herzaktion, welche die Bewegung des Blutes in den Gefäßlumen und damit den Blutdruck bewirkt, kann ein maximaler (systolischer) und minimaler (diastolischer) Blutdruck definiert werden. Der systolische Blutdruckwert entspricht der maximalen Austreibungskraft des Herzens am Ende der sogenannten Systole (kurz vor dem Schließen der Aortenklappen). Der minimale oder diastolische Blutdruckwert entspricht dem Blutdruck, der zwischen zwei Austreibungsphasen des Herzen besteht. Klinisch wird der Blutdruck im Normalfall mit der indirekten Methode, nach Riva-Rocci-Korotkow gemessen. Respiratorische Veränderung Bei Entspannungsverfahren kommt es in der Regel zu einer Abnahme der Atemfrequenz und zu einer Abflachung des Atemzugvolumens. Allerdings fehlen empirische Studien, die belegen, daß die Abnahme der Atemfrequenz durch die Entspannung hervorgerufen wird und nicht durch eine körperliche Ruhigstellung zustande kommt. Allerdings sind bei Übungen des Autogenen Trainings beobachtet, daß die abdominelle (Bauchatmung) gegenüber der thorakalen Atmung (Zwerchfellatmung) zunahm (ebd. 44f). Elektrodermale Veränderung Elektrodermale Veränderungen sind Veränderungen der elektrischen Leitfähigkeit und des elektrischen Widerstandes der Haut, die sich durch die Änderung der Schweißdrüsenaktivität ändern kann. Die elektrische Hautleitfähigkeit wird über den Symphaticus (s. auch Abbildung 1 in Kap. 1.3.5) gesteuert und ändert sich je nach Aktivierungs- bzw. Entspannungs-grad. In einem entspannten Zustand nimmt die elektrische Hautleitfähigkeit ab (ebd. 45). Zentralnervöse Veränderung Zentralnervöse Veränderung lassen in Form von hirnelektrischer Aktivität an der Großhirnrinde messen. Die Messung erfogt mit einem Elektro-enzephalogramm (EEG), welches die an der Schädeloberfläche auftretenden Potientalschwankungen in Form von Alpha-, Beta-, Delta- und Thetawellen aufzeichnet. Die hirnelektrische Aktivierung der Großhirnrinde gibt Aufschluß über Abstufungen von Wachheit, von Konzentration über Passivität bis hin zu Einschlafphasen und Schlafstadien. Alpha-Wellen treten meist in einem entspannten Zustand auf. Beta-Wellen sind im Wachzustand einer Person anzutreffen. Sie vermehren sich bei körperlicher, mentaler und emotionaler Anstrengung. Theta-Wellen treten sowohl im eingeschränkten Wachzustand als auch bei bestimmten Aufgaben, die eine Fokusierung der Aufmerksamkeit erfordern. Delta-Wellen kommen vorwiegend in Tiefschlafphasen vor.
Es handelt sich bei diesem Text um Auszüge einer Diplom-Arbeit der Autorin Birgit Mokross.
Das Copyright liegt bei der Autorin.
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